14-headegg-Mathias-Schmied

 

 

Bilder der Vernissage

 

Mehr über Mathias Schmied unter:
www.mathias-schmied.com

 


It’s been a long day

Der Winter ist noch nicht vorbei und schon geht es bei HEADEGG mit der 14. Ausstellung „It’s been a long day“ weiter. Diesmal zeigen wir in einer von Alexandra Grimmer kuratierten Ausstellung den Künstler Mathias Schmied.

Der 1976 in Bern geborene und in Paris lebende Künstler zeigt Arbeiten aus Papier. Filigrane Gebilde, die sich an Zeichnungen orientieren.  Mathias Schmied verwendet statt eines Zeichenstifts ein Skalpell, mit welchem er seine Arbeiten erschafft. Was entsteht, ist genauso wie bei der Zeichnung eine Linie ein Strich, nur dass diese als Leerstelle in Erscheinung tritt. Durch Destruktion und Reduktion des Materials geht Schmied den genau entgegengesetzten Weg der Zeichnung. Beeinflusst durch Land Art-Künstler wie z.B. Gordon Matta-Clark, Michael Heizer oder Robert Smithson, die mit ihren Arbeiten in die Natur eingreifen, diese geradezu zerteilen und zergliedern, macht es Schmied ihnen gleich, nur mit dem einfachsten Material überhaupt, dem Papier.

So kommt neben dem Skalpell auch dem verwendeten Material eine spezielle Bedeutung zu. Das Papier wird so bearbeitet, dass es eine neue Funktion und Dimension erhält. Durch die Schnitte tritt die Zeichnung aus Ihrer Eindimensionalität heraus, nimmt den Raum mit in Beschlag, wird dreidimensional, wird zur Skulptur. Mit der Verwendung eines so vergänglichen Materials wie Papier erhalten die Arbeiten Schmieds so etwas wie ein „eingebautes Ablaufdatum“, welches sich teilweise auch in den inhaltlichen Aussagen der Werke widerspiegelt. Im Gegensatz zu in der Bildhauerei verwendeten Materialien, wie z. B. Bronze oder Stein zerfällt Papier schnell und löst sich im Laufe der Zeit auf. Dieses Moment, das an die Vergänglichkeit aller Dinge erinnern soll, ist Schmied wichtig. Es bezieht die ikonografisch bedingte Vanitas-Symbolik als einen Aspekt in die Arbeiten mit ein.

Inhaltlich bearbeitet Schmied unterschiedliche Ausgangsmaterialien, wie Comics oder Pin-up Fotografien aus Zeitschriften. Massenkommunikationsmedien werden hier zu abstrakten grafischen Objekten transformiert. Auch die Beschäftigung mit dem Schriftzeichen an sich ist ein zentrales Thema in seinen Arbeiten. Hier entsteht eine Verbindung zur Kalligrafie, welche sich auf die gleiche präzise Art und Weise mit dem Wort und den Buchstaben auseinandersetzt. Bei Schmied treten Worte einzeln isoliert oder in kleinen Gruppierungen auf. So bekommt das Wort als solches eine besondere Wirkung, die beim Betrachter einen zusätzlichen Nachhall erzeugt.

Auch bei den Arbeiten mit Comicseiten steht die Reduktion im Vordergrund. Durch gezieltes Herauslösen, Strukturieren und Reduzieren verändert sich die ästhetische Wirkung des Comics vollkommen. Was übrig bleibt, sind Fragmente, Umrisse und das nicht Vorhandene. Das Weiß wird dominant und löst so durch Leerstellen mit Ruhe und Klarheit die oft unruhig erscheinenden Comics ab.

Ein Kommentar von Lea Grebe



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