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Vernissage, Jusha und Sven Mueller

 

Mehr über Jusha und Sven Mueller unter:
www.jushamueller.de

 


MÜNCHNER GOLD

„MÜNCHNER GOLD“ ist die inzwischen siebzehnte Ausstellung bei HEADEGG. Das Allgäuer Künstlerpaar Sven und Jusha Mueller zeigt Arbeiten, die sich auf den Ausstellungsort ebenso wie die Stadt München beziehen.
Trash-Materialien wie Karton, Styropor, Zinkblech und Dosen werden durch Blattgold und Platingold veredelt. Die so entstandenen Arbeiten sind zum einen Bildträger als auch Objekte und Bodeninstallationen. Den ursprünglich für den Betrachter wertfreien Materialien und Untergründen wird durch das Vergolden eine Wertigkeit gegeben. Das Ausgangsmaterial wird so entfremdet und bearbeitet, dass erst nach genauem betrachten die ursprüngliche Materialität zu Tage tritt.
Sven Mueller verweist im Zusammenhang mit den Arbeiten auf den Mythos von König Midas: „Über Midas’ Gier und Dummheit gibt es etliche antike Anekdoten: Um so weise wie Silenos zu werden, glaubte Midas genüge es ihn zu fangen. Er stellte ihm eine Falle, indem er einer Waldquelle Wein beimischte, aus der Silenos trank und berauscht einschlief. Dionysos, der seinen alten Lehrer vermisste, musste dem König für dessen Freigabe einen Wunsch erfüllen. Midas wünschte sich, dass alles, was er berühre, zu Gold würde. Der Wunsch wurde ihm gewährt. Doch da ihm nun auch Essen und Trinken zu Gold wurden, drohte ihm der Tod durch Hunger oder Durst.“
Der antike Mythos und die Arbeitsweise der Künstler kann als Synonym gelesen und auf die Werke und deren Aussage übertragen werden. Als eine Reaktion auf die Mechanismen mit welchen Freiflächen und leerstehende Räume, die in München immer seltener zu finden sind, zunehmend verschwinden. Alles in München wird zu „Gold/Geld gemacht“. So ergeht es auch unseren Kiosken von HEADEGG, welche voraussichtlich nur noch bis Oktober mit Kunst bespielt werden können und dann der Abrissbirne zum Opfer fallen. Freiräume werden immer rarer und Luxus dominiert das vorherrschende Interesse. Die Arbeiten können verstanden werden als ein Aufmerksam machen auf bestehende Missstände. Den Künstlern geht es jedoch nicht um politische Kunst. Vielmehr steht hinter den Gedanken ein persönliches Empfinden und Anliegen.
Charakteristisch für alle Arbeiten sind die in den Goldflächen reliefartig enthaltenen Striche und Punkte. Die immer wiederkehrenden Motive aus den Arbeiten Jusha Muellers haben im Werk der Künstlerin eine tiefe Bedeutung. Der Strich steht hierbei als Synonym für Zeit, Vergänglichkeit und Zählbarkeit. Der Punkt steht für Rhythmen, die kleinste Einheit und für Bewertungen. So fließen auch diese Zeichen mit in die inhaltliche Aussage mit ein, korrespondieren mit den gewählten Materialien und Objekten. Was entsteht, sind wundersam zarte und stille Arbeiten, die ihre kritische Aussage erst auf den zweiten Blick offenbaren.

Text von Lea Grebe

 

 

 



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