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Vernissage, Manuel Strauss und Lea Grebe

 
Manuel Strauss und Lea Grebe
AUCH INSEKTEN ESSEN KUCHEN
 


„So wie wir alle“ sagte Eliza. „denn die Konfusion ist eine Art Verzauberung – ein Moment, in dem das, was wir zu verstehen meinten, seine Form verliert, zerläuft und mit anderen Dingen eins wird. [...]“ Sie schüttelte den Schmelzlöffel leicht und die Wachskrümel, die oben geschwommen und zu kleinen, von der Oberflächenspannung zusammengehaltenen Blasen flüssigen Wachses geworden waren, platzten, versanken in dem geschmolzenen Wachs und verströmten dabei ein Wölkchen süßen Duftes, Überbleibsel der Blumen, welche die Bienen, die diesen Stoff gemacht, einst aufgesucht hatten.

Die Ausstellung Nummer 20, die letzte bei HEADEGG, trägt den Titel „Auch Insekten essen Kuchen“. In ihm werden die beiden zentralen Themen der Ausstellung, sowie deren Verbindung zueinander angedeutet. Die in München und Grafing lebenden Künstler Lea Grebe und Manuel Strauß stellen zum ersten Mal gemeinsam aus. Sie haben zusammen studiert und zuletzt auch gemeinsam gearbeitet. Somit sind in der Ausstellung auch teilweise Gemeinschaftsarbeiten zu sehen. Zwei junge Künstler fusionieren ihre formal grundlegend unterschiedlichen Arbeiten zu einer Ausstellung, welche sich mit den kleinen zarten, nicht aufs erste sichtbaren oder erfahrbaren Dingen des Lebens beschäftigt.

Manuel Strauß zeigt Objekte aus seiner Serie „Esssachen“ von 2014. Dabei geht es darum, unsere Wahrnehmung und unsere Sehgewohnheit zu hinterfragen. Die grundlegend traditionellen Genres (Objekt und Zeichnung) werden bei den Arbeiten dadurch aufgebrochen, dass ihre Grenzen immer wieder neu, durch die Verwendung unterschiedlichster Materialien, aus anderen Kontexten ausgelotet werden. Materialien wie Erde, Sand, Bitumen, Kreide, Schneespray, Gips, Pappe, Zinn und Kohle werden zu vermeintlich essbaren Skulpturen so angeordnet, dass der Betrachter auf den ersten Blick das Gefühl bekommt, er könnte einfach hineinbeißen. Harz und Steinmehl erinnern plötzlich an Zuckerguss und Puderzucker. Beim Anblick der dunklen Scheiben des „Kastenkuchens“ hat man sofort den Geschmack des besten schweren und süßen Schokoladenkuchens auf der Zunge… – Und dennoch sind die ästhetischen Objekte nicht essbar, sie gaukeln etwas vor, was sie nicht sind und führen dem Betrachter so seine Denkart und festgefahrenen Sicht- und Betrachtungsweisen vor Augen, die durch die Gewohnheit bestimmt und gelenkt werden. So geht es in den Arbeiten auch um Humor, der jedoch ebenso mit einem leicht kritischen Blick unsere Essgewohnheiten und unseren Umgang mit Lebensmitteln hinterfragen will.

Die Arbeiten von Lea Grebe spielen sich im Rahmen der endlosen, unüberschaubaren, uns kaum zugänglichen und tangierenden Welt der Insekten ab. Hierbei ist es zum einen das Interesse am Individuum, dem einzelnen Insekt, der Vielfalt seiner Art und der unterschiedlichen Lebensweisen, welche L. G. künstlerisch anregen. Aber das Insekt stellt in den Arbeiten auch immer eine Metapher dar für ein/das Lebewesen im Allgemeinen. Fragen nach basalen Themen der Menschheit, dem Leben und dem Tod werden in eine inhaltlich uns ferne, bildliche Ausdrucksweise übertragen. Auf diese Weise verlieren die oft
mit Pathos, Bedeutsamkeit und Übersteigerung einhergehenden Auseinandersetzungen an Gewicht. Es wird versucht, den Blick von einer neuen unbeachteten, zarten Seite auf das Thema zu lenken. Die Arbeiten fordern von den Betrachtern ein, genau hinzuschauen. Erst im ruhigen Betrachten und nahen Hingehen an die Objekte zeigen sich die wahren Inhalte und die Formen der Arbeiten. So auch bei der Arbeit „Alles was bleibt“. Die
kleinen Objekte aus Gießharz erscheinen auf den ersten Blick vollkommen abstrakt und ohne Struktur. Bei genauem Betrachten lassen sich reliefartig fragil die Formen von unterschiedlichsten realen und imaginierten Insekten erkennen. – Der abgebildete Moment spiegelt den Punkt zwischen Sein und nicht mehr Sein, Existenz und Abwesenheit. Konserviert den Moment des sich verflüchtigenden Körpers. Erregt Trauer, Abscheu, Neugierde, Erinnerungen, Ängste. Strahlt ebenso Ruhe, Gelassenheit aus vor dem Unabwendbaren, dem schon Geschehenen, dem sich Verflüchtigen, Verschwinden im Nichts der Zeit und im Raum.

Ein Kommentar von Lea Grebe

 

 



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